Planmäßig ab dem 14. Dezember kommt der neue ICE L mit ordentlich Verspätung endlich zum Einsatz – zunächst auf der Strecke zwischen Berlin Hbf und Köln Hbf. Mit der Zeit sollen weitere Linien hinzukommen. Worin unterscheidet sich der ICE L von bisherigen Zuggenerationen? Hier findest du alle offiziellen Informationen zu den angekündigten Highlights des neuen Schnellzugs.
Der neue ICE L ist ein Schnellzug von Talgo, einem Eisenbahnhersteller aus Spanien. Ursprünglich sollten die ersten Züge von Talgo schon 2023 auf deutschen Schienen fahren, es kam allerdings zu Lieferschwierigkeiten. Nun steht endlich die erste Verbindung in den Startlöchern. Ab dem 14. Dezember soll ein ICE der neuen Baureihe „ICE L“ Fahrgäste von Berlin nach Köln und zurück befördern. Das „L“ steht dabei für „low floor“ (zu Deutsch: „niedriger Boden“), was bereits auf die garantierte Barrierefreiheit des Fahrzeugs verweist. Ein kompletter Zug wird aus 17 Wagen bestehen und circa 240 Meter lang sein. Die Länge lässt sich jedoch auch auf die Nachfrage anpassen.
Die Linie zwischen Berlin und Köln ab dem 14. Dezember 2025 soll lediglich der Anfang sein. Die Einführung weiterer Verbindungen soll schrittweise über das Jahr 2026 und darüber hinaus erfolgen, wobei die ersten Termine bereits veröffentlicht wurden. Wenn nichts verschoben wird, fährt der ICE L ab dem 1. Mai 2026 zwischen den Bahnhöfen Hamburg, Berlin und Westerland (Sylt). Ab dem 11. Juli 2026 will die Deutsche Bahn gleich mehrere Linien einführen. Sie verbinden voraussichtlich die Bahnhöfe
miteinander.
Laut der Deutschen Bahn soll der Zug demnächst auch die Bahnhöfe Amsterdam, Kopenhagen und Wien anfahren. Hierfür gibt es aktuell allerdings noch keinen fixen Termin, da einige Voraussetzungen für den Einsatz auf diesen Strecken derzeit noch nicht gegeben sind.
Während bei den bisherigen ICE-Baureihen feste Triebzüge zum Einsatz kamen, setzt Talgo bei dem neuen Schnellzug ein lokomotivbespanntes System um. Das bedeutet, dass eine Lokomotive den Wagenzug zieht oder schiebt. Darüber hinaus gibt es keine durchgehende Drehgestelle zwischen den Wagen, sondern einachsige Laufwerkportale. Auf diese Weise wird der ICE L einerseits leichter und andererseits ist der Boden des Wagens vollflächig eben.
Ein modularer Aufbau der Züge soll den Betrieb wirtschaftlicher machen. So kann die Deutsche Bahn auf die aktuelle Nachfrage reagieren und die Länge des Zuges zwischen neun und 21 Wagen variieren. Zudem lässt sich der ICE L mit verschiedenen Loks steuern. Diese Flexibilität ist bei den fest verbundenen, herkömmlichen ICE-Zügen nicht gegeben. Dadurch ist die Nutzung nicht elektrifizierter Strecken im Falle einer Sperrung möglich.
Bereits im Namen „ICE L“ steckt der Hinweis auf einen besonders niedrigen Fahrzeugboden. Er hat eine Höhe von 760 mm, was ideal für die deutschen Fernbahnsteige ist. Zugfahrende mit Beeinträchtigungen profitieren so von einem stufenlosen und schnellen Einstieg. Der Zug bietet drei Rollstuhlplätze bei insgesamt 562 Sitzplätzen. Hier sind elektrisch höhenverstellbare Tische verbaut. Weiterhin sind die Türen laut DB etwas breiter, um den Einstieg für Rollstuhlfahrende zu vereinfachen.
Ausschließlich der Steuerwagen und der Übergangswagen zur Lok verfügen über ein konventionelles Drehgestell, sodass es auch nur in diesen Bereichen eine hohe Einstiegskante gibt. Die Wagen sind aufgrund der verbauten Einzelradaufhängung sehr kurz. Das ist an Bahnsteigen in Kurven praktisch, da hier eine geringe Lücke zwischen Zug und Steig besteht. Allerdings führt diese Konstruktion auch zu ungewöhnlich engen Durchgängen zwischen den einzelnen Waggons.
Die angekündigte Barrierefreiheit soll nur ein kleiner Teil des Komfortverbesserungen im neuen ICE L Schnellzug ausmachen. Reisende können unter anderem mit folgenden Ausstattungsmerkmalen rechnen:
Die Deutsche Bahn möchte den Mobilfunkempfang deutlich verbessern. Für dieses Vorhaben haben sie spezielle mobilfunkdurchlässige Fensterscheiben verbaut, die das Signal direkt in das Innere der Wagen lassen.
Generell soll die digitale Ausstattung in den neuen Zügen eine große Rolle spielen. Über die Details ist wenig bekannt, allerdings garantiert die Deutsche Bahn Steckdosen an jedem Sitzplatz. Ob es auch USB-Anschlüsse und Wireless Charger geben wird, bleibt abzuwarten. Mit WLAN und Bordunterhaltung in Form von Spielen, Filmen und mehr ist aber zu rechnen.
Außerdem gibt es neue Reservierungsanzeigen. Sie informieren per farbiger LED-Leuchte, welche Sitzplätze noch frei und welche bereits reserviert worden sind. Missverständnisse bei der Sitzplatzwahl sollen mithilfe dieses Systems der Vergangenheit angehören.
Die Deutsche Bahn gibt eine Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h für den ICE L an. Moderne ICE-Modelle schaffen bereits bis zu 300 km/h, dafür soll der ICE L aber stärker beschleunigen sowie kräftiger abbremsen können. Auf manchen Strecken können Fahrgäste mit einer verkürzten Fahrtzeit rechnen, sagt DB. Nach Angaben des Herstellers Talgo lässt sich das Höchsttempo bei Bedarf noch auf 300 km/h erhöhen.